Archiv der Kategorie: Gunung Mulu

Rauchen kann toedlich sein!

Nach der Nachtwanderung
Um eine Kippe zu rauchen verliess ich noch einmal den Dorm und stromerte mit meiner Taschenlampe ein wenig auf den beleuchteten Wegen des Parks umher.
An einem Busch, der ueber die Planken des Weges hing leuchtete ich die Blaetter, wie auf der Nachtwanderung ab, um vielleicht das ein oder andere Tierchen zu finden. Doch mit sowas habe ich nicht gerechnet:

Direkt vor meinem Gesicht sass eine (zum Glueck relativ kleine) gruene PIT-VIPER!!!

Also so habe ich mir die Kippenpause auch nicht vorgestellt. Erst einmal durchatmen und langsam, sehr sehr langsam den Rueckwaertsgang einschalten … Dann Mel geholt und aus sicherer Entfernung das groesste Tier des Abends bestaunt. So sass die Schlange direkt auf einem Ast, voellig gespannt um bei vorbeihuschenden Viechern gleich zuschlagen zu koennen … Da ich jedoch bei der Entdeckung praktisch hinter ihr stand (und zudem ein wenig zu gross fuer ihr Beuteschema bin) hat sie mich voellig ignoriert. Dennoch lieber ein wenig vorsichtig sein … schliesslich handelte es sich hier um einer der giftigsten Schlangen Borneos (im Babyalter – wo war eigentlich die Mama?), die aber zum Glueck so gut wie gar nicht agressiv und sehr scheu sind – also es gibt so gut wie keine Zwischenfaelle mit Menschen.

Was haben wir von dem Erlebnis gelernt? Rauchen kann durchaus auch auf andere Art und Weise toedlich sein, und lieber dreimal in Aeste schauen, bevor man mit dem Gesicht duchrennt (so ne Raupe mit Nesseln kann auch schon weh tun) :)

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Nachts ist es dunkel

Eine Nachtwanderung
An unserem letzten Tag im Gunung Mulu Nationalpark entschieden wir uns spontan fuer eine Nachtwanderung durch den Dschungel. Besonders nachts zeigt sich der Urwald von einer ganz anderen Seite … und dies dalt es auf die Probe zu stellen.

Schon um 19.00h (hier wird es wirklich wahnsinnig frueh dunkel) ging es los. Die Nachtwander-Gruppe bestand gluecklicherweise nur aus uns zweien und einem weiteren Kanadier +Guide. Eine schoene kleine Gruppe also. Direkt am Hauptgebaeude des Parks fuehrte ein Weg in den Urwald. Anders als alle anderen Wege in der naehe des Headquarters, ist dieser nicht beleuchtet. Ausgestattet mit Taschenlampen mit rotem LED-Licht (der Guide hatte natuerlich einen Megahellen, weissen LED Scheinwerfer) gings los. Warum eigentlich rotes Licht? Nun ja, bei zu viel weissem Licht koennte es passieren, dass die Tiere fluechten … und schliesslich wollen wir sie ja in aller Ruhe betrachten koennen – so der Plan!

Pitch Black
Nach etwa 20 Metern im Wald war es einfach nur noch schwarz! Weit und breit gab es keine Lichtquelle, noch nicht einmal die Lichter des nahegelegenen Headquarters kamen bis zu uns durch. Umso seltsamer erscheint es auf den ersten Blick, wenn gelbgruen leuchtende Punkte im Wald zu erkennen waren (Gluehwuermchen). Schon nach kurzer Zeit erschienen die ersten Insekten, riesen fette Spinnen und Grillen, Schnecken und Hundertfuesser …
Fast noch viel spannender waren die Geraeusche um uns herum. Voellog fremd klingende Toene umgaben uns. Ein Frosch, der wie ein Vogel klingt, eine Grille, die sich wie ein Frosch anhoert oder Zikaden, die einem schiefklingenden Streicherquartett Konkurenz machen koennen … und nach 50 Metern wandelte sich die Geraeuschkullisse zu wieder etwas voellig Neuem!
Nachtaktive Insekten gab es wirklich viele zu sehen. Neben grossen Spinnen, giftigen Raupen und wahnsinnig grossen Grashuepfern waren, die riesigen Stick-Insects (fast 25cm lang) und ein Hundertfuesser (15cm lang/Beine rund 8cm) mit langen Beinen das Highlight des Abends! Kleinere Spielereien standen auch auf dem Plan: Bspw. mittem im Wald alle Taschenlampen ausschalten, nach Gluehwuermchen oder leuchtenden Pilzen ausschau halten …

Fazit
Fuer gerade einmal 10 Ringgit (rund 2 Euro) gibt es auf der Nachtwanderung so einiges zu sehen und zu erleben, auch wenn wir dieses Mal kein Glueck mit groesseren Tieren hatten. Man lernt und erfaehrt wirklich eine Menge oder geniesst einfach das Laufen durch die Dunkelheit und lauscht dem Dschungelkonzert. Alles in allem dauert eine solche Wanderung rund 2 Stunden, wenn man in einer kleinen Gruppe unterwegs ist, ist natuerlich alles ein wenig flexibler…

Hoehlenforschen Part 2

Wind Cave und Clearwater Cave
Recht frueh gings ins Bett, um frueh am naechsten Morgen zur zweiten Hoehlenexpedition durchzustarten. Wir teilten uns einen Dorm mit ca. 12 Maedels aus KL (Hilfe, Geschnatter ohne Ende!!!), die hier im Gunung Mulu einen Schulausflug machten. Aber es war irgendwie auch interessant die Maedels mal ohne Kopftuch zu sehen … Nur 3 Maedels waren ein wenig hardcore drauf und beteten in einem extra dazu angezogenen Dress – und das fast jedes Mal, wenn wir sie im Dorm sahen! Mich wundert es immer noch, dass sie mich als einzigen Mann wohl vollends ignorierten … Aber egal, kommen wir zum Eigentlichen:

Zur Hoehle
Nach einem schoenen Fruehstueck ging es vom Headquarter erst einmal mit einem Boot durch den Dschungel. Allein schon diese 30 minuetige Fahrt war schon die Ringit fuer die Tour wert. So sahen wir den Urwald einmal aus einer gaaaanz anderen Perspektive. Wir schlaengelten uns durch Stromschnellen, vorbei an umgestuerzten Baeumen durch immer wieder andere Vegetation. Ein kleiner Zwischenstopp in einem Urwalddoerfchen lies uns einen Blick auf eines der bekannten Longhouses werfen … Einfach idyllisch.

Wind Cave
Unseren Guide trafen wir direkt am Hoehleneingang der Wind Cave und er fuehrte uns in das Innere und versorgte uns wie gewohnt mit wertvollen Informationen. Tief im Inneren bemerkten wir den Windzug, der der Hoehle ihren Namen gab. Durch Luft und Temperaturunterschiede zwischen dem Hoehleninneren und der Umgebung draussen ergibt sich ein Luftzug … Dies liegt auch daran, dass es eine zweite Oeffnung in einer der Kammern gibt. So blickt man an einer Stelle an die Decke und sieht Baumkronen des Urwaldes.
Nach einiger Zeit standen wir jedoch im Dunklen! Stromausfall! Nix ging mehr … Aber alles halb so wild: Taschenlampe an (nur 3 Leute in unsere Gruppe hatten keine Lampe mit), und weiter!

Clearwater Cave
Nach 200 Treppenstufen erreichten wir den Einstieg in die Hoehle! PUH! Auch hier hatten wir bei der Erkundung mit Stromausfaellen zu kaempfen und erforschten die Hoehle nur mit unseren eigenen Lampen. Das Besondere an dieser Hoehle ist, dass sie durch einen Fluss entstand. Fragt mich bitte nicht nach Details, es wuerde den Rahmen sprengen, aber diese Hoehle bietet zusammen mit der Windcave (sie sind miteinander verbunden) den Einstieg in das weltlaengste Hoehlensystem von ueber 120km Laenge (oder so)!!!
Noch heute fliesst ein Fluss – allerdings ein wenig kleiner als wohl vor zigtausend Jahren – durch die Hoehle und tritt unterirdisch nach aussen. Laut eines alten Glaubens der Orang Asli, soll das Wasser der Clearwater Cave fuer immer jung halten, wenn man es sich in das Gesicht spritzt … Ihr koennt euch vorstellen, dass es extra einen Steg innerhalb der Hoehle zum Wasser gibt und jeder Touri voll besessen ins Wasser huepft … Naja, wir huepften mit :)
Wieder an der Erdoberflaeche angekommen, konnte man noch ein Bad im kristallklaren Fluss nehmen … Mit offenem Mund beneideten wir die Leute, die einfach reinhuepften oder etwas zum schwimmen mitgenommen hatten. Wir hingegen schwitzten froehlich weiter und fuhren schon bald mit dem Boot wieder zurueck.

Fazit
Wer denkt, dass eine Hoehle der anderen gleicht, der wird hier in Mulu eines besseren belehrt! Auch wenn diese Hoehlen so dicht beieinander liegen, ist doch jede fuer sich einzigartig. Wieder einmal ein Lob an die Guides und die gute Organisation des Aufluges… Auch die Beschilderung in den einzelnen Hoehlen ist spitze und muss hier mal erwaehnt werden.

Wie die Hoehlenforscher

Lang Cave und Deer Cave
Die Tour zu den beiden Hoehlen startete vom Headquarter aus. Dort trafen wir unseren Guide, der unsere Gruppe (die zu diesem Zeitpunkt aus ca. 17 Leuten bestand) zu den Hoehlen fuehren sollte. Die Wanderung dauerte etwa eine Stunde und fuehrte uns auf Holzplanken durch den dichten und unangetasteten Dschungel. Oftmals stoppten wir fuer „Wildlife-Entdeckungen“, die unser Guide machte … Da war eine Schnecke hier, eine Raupe dort, ein Kaefer da, oder ein anderes Insekt an einer anderen Stelle – alles in allem sehr informativ.

An den Hoehlen angekommen, machten wir uns zunaechst auf den Weg in die Lang Cave. Eine wirklich schoene Tropfsteinhoehle mit recht grossen Kammern. Fast 300m liefen wir auf gut praeparierten Wegen in das Innere und genossen das angenehm kuehle Klima der Hoehle.
Es sollte jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack fuer die Deer Cave sein – der weltgroesste Hoehlendurchgang.

An der Deer Cave angekommen kamen wir aus dem staunen einfach nicht mehr heraus! Eine riesige Eingangshalle tat sich direkt hinter den Baeumen auf und gab den Einblick in das Hoehlensystem frei. Wir konnten es kaum erwarten die Hoehle zu betreten …
Im Inneren erst einmal angekommen verlor man jegliches Gefuehl von Raum und Zeit. Die Eingangshalle ist locker ueber 50 Meter hoch und so geraeumig, dass man locker zwei Jumbos dort reinstellen haette koennen. Einfach Wahnsinn. Je tiefer man in die Hoehle vordring, desto staerker wurde der Guano-Gestank. Ueberall Fledermausmist, der uns wie auf rohen Eiern laufen lies. Und vor allem ueberall Fledermaeuse… Man konnte die dunklen Flaechen an der Decke erahnen, aber es waren angeblich alles Fledermaeuse – dichtgedraengt hingen sie nebeneinander. Und davon eine Menge: Rund 3 Mio. Fledermaeuse leben hier in dieser einen Hoehle!

Ausflug der Fledermaeuse
Die Rundtour in der Deer Cave brachte uns wieder an das Tageslicht und zu einem Beobachtungsposten, von dem man das „Ausfliegen“ der Fledermaeuse beobachten kann. Nach etwa 30 Minuten machten sich auch schon die ersten Flugsaeuger auf den weg: In grossen Schwaermen zu ca. 10.000 Stck. flogen die Fledermaeuse aus der Hoehle. Es sah aus wie eine riesige Schlange die sich durch den Himmel bewegt …
Die Guides versorgten uns waehrend des Spektakels mit Informationen zu Fledermaeusen, deren Rolle im Oekosystem und ihrem speziellen Verhalten hier in den Hoehlen. Mit Infrarotkameras konnten einzelne Exemplare in der Hoehle erfasst werden und den Zuschauern auf grossen LCD Monitoren gezeigt werden. Wirklich sehr informativ … Vor allem merkte man, dass die Guides wirklich Spass an ihrem Job haben :)

Fazit
Ein absoluter Pflichtbesuch fuer Besucher von Borneo! Faehige Guides, tolle, einzigartige Naturschauspiele und eine Geologie, die wohl wirklich einzigartig ist auf der Welt.

Ueber dem Urwald

Flug nach Mulu
Wir haben es tatsaechlich geschafft einen Flug zu einem akzeptablen Preis zum Gunung Mulu Nationalpark zu managen! Geflogen sind wir mit einer kleinen zweimotorigen Maschine, eine Fokker 50. Gerade einmal 50 Personen finden in der Maschine platz.
Der Flug dauerte gerade einmal 30 Minuten. Gerade genug Zeit sich den Urwald einmal von oben anzuschauen. Aufgrund der kurzen Flugzeit stieg das Flugzeug auch nicht besonders hoch, so dass jedes Detail aus der Luft aus zu sehen war… Leider haben wir ein wenig zu spaet geschaltet, so dass wir es versaeumt haben ein paar Luftaufnahmen vom Nationalpark zu machen.

In Mulu angekommen ging es erstaunlicherweise mit dem Auto weiter. Allerdings ist die Strasse alles in allem vielleicht 10 km lang … irgendwo im Niergendwo, bis hin zum Nationalpark Headquarter bzw. einem groesserem Resort etwas ausserhalb.
Nun waren wir da, im Gungung Mulu Nationalpark! Die Reservierung fuer die 2 Uebernachtungen hat auch geklappt und so konnten wir uns erst einmal ein wenig umschauen, bevor es noch am gleichen Tag in einer der beruehmten Mulu Hoehlen ging …